Die Grundherren von Jois ...
vor 1214 Mosoner (Wieselburger) Burgjobagionen
Die Söhne des Ysov, Petrus, Josef und Bece. Die Söhne des Sullu, Stephan und Ustuch und der Sohn des Wasard, Sumurca - erste namentlich bekannte Joiser (Die Namen könnten auf slawischen bzw. petschenegischen Ursprung hinweisen).
Jobagionen (Ministerialen, Vornehme) waren die Führer der in Zehnerschaften (Decurio) und Hundertschaften (Centurio) eingeteilten Burgleute.
1214 - 1271 und 1273 - 1299/1302 die Grafen von Poth, Begründer der Herrschaft Ungarisch Altenburg
1214
Osanna, die Gemahlin des Grafen und Gespans (Richter) Botho III, von Ungarisch Altenburg (heutiges Mosonmagyaróvár), aus dem Geschlecht Poth - von Botho I. (zurückzuführen auf das Adelsgeschlecht der Aribonen, ungarisch Györ - deutsch Raab/ Arrabona; deutsches Adelsgeschlecht aus dem Raum Freising & Mainz, 8. Jhdt.), kauft von den Mosoner (Wieselburger) Burgjobagionen 26 Hofstätten im Dorf Nulos (Jois).
Jois gehörte ab diesem Zeitpunkt zur Herrschaft Ungarisch Altenburg, dem größten geschlossenen Besitzkomplex im Wieselburger Komitat (heutiges Moson in Ungarn), und blieb bis 1921, als der Anschluss des Burgenlandes an Österreich erfolgte, Bestandteil dieser Herrschaft auf ungarischem Staatsgebiet.
1239
Konrad I. "de Owar - von Ungarisch Altenburg" aus dem Geschlecht Poth.
1271-1273 Ottokar II. Premysl,
König von Böhmen, erobert Teile Westungarns und zerstört die Festung Wieselburg.
1273 - 1299/1302
Konrad I. "de Owar - von Ungarisch Altenburg"
1299/1302 - um 1350 königlich ungarisches Kammergut
Nach dem Aussterben des Grafengeschlechtes von Poth wird die gesamte Herrschaft königlich ungarisches Kammergut, dass von Kastellanen (Burgwart, Burgvogt = Befehlshaber einer Burg) verwaltet wird.
1324
Der Wieselburger Vizegespan (stellvertretender Komitatsrichter) Simon, versieht die Funktion des Kastellans von Ungarisch Altenburg.
um 1350 - 1364 und 1414 - 1441 das Rittergeschlecht der Wolfurt
Ulrich von Wolfurt, ein erst kurz zuvor aus dem heutigen Vorarlberg (Ort Wolfurt) eingewandertes Rittergeschlecht, erhält vom Ungarnkönig Ludwig I. die Herrschaft als königliches Pfand wegen nicht abgelöster Dienstleistungen.
1364 - 1414 königlich ungarisches Kammergut
1364
Die Söhne Ulrich Wolfurts lösen die Herrschaft wieder ein, wonach sie einige Jahrzehnte lang in königlicher Verwaltung bleibt.
1414
Die Wolfurter erhalten die Herrschaft vom Ungarnkönig Sigismund abermals als Pfand.
1441 - 1516 die Grafen von St. Georgen und Bösing
1441
Nach dem kinderlosen Tod von Paul, des letzten Wolfurters, vermählt sich seine Witwe mit dem Grafen Georg II. von St. Georgen und Bösing, dem sie die Herrschaft Ungarisch Altenburg in die Ehe mitbringt.
1451
Aus diesem Jahr gibt es eine Auflistung der zur Herrschaft gehörige Märkte und Dörfer.
Auf heute ungarischem Boden lagen demnach:
Ungarisch Altenburg, Wieselburg, Pallersdorf, Ragendorf, Sarndorf, Halasen, Gahling, Strass-Sommerein, Zanegg, St. Peter, St. Johann, Pfingstmarkt und die Hälfte von Kimling.
Auf heute österreichischem Boden:
Nickelsdorf, Tadten, Neusiedl a. S., Jois, Zurndorf, Deutsch- Jahrndorf sowie die Hälfte von Pama, Rust, Purbach und Stinkenbrunn.
1516 - 1524 königlich ungarisches Kammergut
Nach dem Tod von Peter, des letzten Grafen von St. Georgen und Bösing, wird die gesamte Herrschaft wieder königlich ungarisches Kammergut.
1524 - 1548 Maria von Ungarn, aus dem Hause Habsburg
1524
Ludwig II., König von Ungarn, schenkt die Herrschaft seiner Gemahlin Maria von Habsburg (Ungarn), Schwester Ferdinands I., dem späteren Kaiser des Heiligen Röm. Reiches.
1526
Ludwig II., der letzte männliche Jagellonenkönig Ungarns, fällt in der Schlacht von Mohacs gegen die Osmanen.
1527
Ferdinand I. von Habsburg, aufgrund von Friedensverträgen und des Wiener Kongresses von 1515 neuer König von Ungarn, übergibt die Herrschaft Ungarisch Altenburg seiner Schwester Maria als Witwensitz.
1531
Maria übernimmt das Amt der Statthalterei der habsburgischen Niederlande und setzt von
1532 - 1535 Jakob von Stamp (Edelhofbesitzer in Jois),
1536 - 1543 Ulrich von Eyzing,
1544 - 1545 wieder Jakob von Stamp und
1546 - 1548 Zacharias Wochnitzki
als Burghauptleute und Verwalter ein.
16. April 1548
Maria tritt alle Rechte in Ungarn und Österreich an ihren Bruder Ferdinand I. ab. Die Herrschaft wird unter die Verwaltung der Niederösterreichischen Kammer gestellt.
1548 - 1621 die Niederösterreichische Kammer
Die Verwaltungsaufgaben werden von einem Burghauptmann, einen Gegenschreiber (zur Kontrolle dessen) und einem Rentmeister (für das Rechnungs- und Wirtschaftswesen) durchgeführt. Diese waren:
1566 Helias Ratwiz
1574 Erasmus Braun
1583 Hans Preiner
1601 Octavio Gaurian
1621 - 1636 die Reichsgrafen von Harrach
1621
Kaiser Ferdinand II. überlässt die Herrschaft pfandweise Carl von Harrach.
1628
Nach dem Tod Carl von Harrach übernimmt sein ältester Sohn Leonhard Carl die Herrschaft. Da die Pfandeinnahmen der damals recht unruhigen Zeiten (30jähriger Krieg) unrentabel waren, wird der Pfandvertrag 1636 aufgelöst und die Herrschaft Kaiser Ferdinand II. zurückgegeben.
1636 - 1648 die Niederösterreichische Kammer
1648 - 1672 die Grafen Draskovich
Palatin (Stellvertreter des ungarischen Königs) Graf Johann Draskovich übernimmt die Herrschaft als Pfand. Nach dessen Tod führt seine Witwe das Pfand bis 1672 weiter.
1672 - 1715 die Wiener Hofkammer
Von 1672 an war die Herrschaft - eine ungarische Kameralherrschaft - unter der Verwaltung der Wiener Hofkammer. Die Hofkammer verpfändet einige Ortschaften für kurze Zeit an verschiedene weltliche und geistliche Adelige.
1715 - 1746 die Wiener Stadtbank
Kaiser Karl VI. verpfändet aufgrund der Pragmatischen Sanktion die Herrschaft um den Betrag von 2 Millionen Gulden an die Wiener Stadtbank. Die Administration der Herrschaft obliegt der Ministerialbancodeputation, der Leitung- und Aufsichtsbehörde der Wiener Stadtbank.
1746 - 1758 die ungarische Kammer
30. März 1746
Die Herrschaft wird von der Hofkammer eingelöst. Ungarisch Altenburg übernimmt im Auftrag der ungarischen Kammer die Administration.
1758 - 1765 die Wiener Stadtbank
Aufgrund der prekären Finanzlage der Staatsfinanzen (Siebenjährige Krieg oder auch Dritter Schlesische Krieg 1756 - 1763) entschließt sich Maria Theresia im April 1758 die Herrschaft erneut um 2,2 Millionen Gulden an die Wiener Stadtbank zu verpfänden. Die Administration übernimmt wieder die Ministerialbancodeputation
1765 - 1955 das Haus Habsburg - Lothringen
1765
Kaiser Franz I. Stefan von Habsburg - Lothringen löst die Pfandschaft der Stadtbank aus und erwirbt die Herrschaft Ungarisch-Altenburg von der ungarischen Krone für das habsburgisch-lothringische Haus um "eigene Bestände zur Bestreitung außerordentlicher Zu- und Notfälle, besonders zu einer von den Schicksalen des Staates unabhängigen Existenz der regierenden Familien bereit zu halten."
1765 - 1766
Nach dem Tod Franz I. Stefan (†1765) wird die Herrschaft vom Familienfond übernommen, der "zur besseren Versorgung" der kaiserlichen Kinder gestiftet wurde. Den Nachlass verwaltet seine Witwe Maria-Theresia, Königin von Ungarn.
1766 - 1822
3. September 1766
Maria Theresia übergibt ihrer Tochter Erzherzogin Marie Christine, nach der Heirat mit Herzog Albert Casimir von Sachsen-Teschen (Begründer der Graphischen Kunstsammlung Albertina) aus dem Familienfond die Herrschaft Ungarisch Altenburg mittels einer Donation (Schenkung) und ordnet die Gründung eines Majorates (bezeichnet die Erbfolge, nach der allein der nächste männliche Verwandte und bei gleichem Verwandtschaftsgrad der Älteste zur Erbschaft berufen ist. Die Stiftung eines Majorats sollte die Zersplitterung insbesondere von Landbesitz verhindern.) an.
1822 - 1847
Als die Ehe zwischen Marie Christine († 1798) und Albert († 1822) ohne Nachkommenschaft bleibt, fällt laut Testament von 1791 die Herrschaft an Marie Christines Neffen (Sohn ihres Bruders Kaiser Leopold II.) und Adoptivsohn Feldmarschall Erzherzog Karl, Sieger über Napoleon in der Schlacht bei Aspern 1809.
1846
Karl lässt die Weingärten in Jois und Neusiedl modern und erstmals sortenrein aussetzen. Die Kellerei in Jois (Herrschaftskeller) wird modernisiert.
1847 - 1895
Der Sohn Karls, Feldmarschall Erzherzog Albrecht, Sieger in der Schlacht bei Custozza 1866, folgt Karl als Eigentümer.
1848 Aufhebung der Grundherrschaften, Abschaffung des Feudalsystems (Bauernbefreiung)
1895 - 1936
Der Neffe und Adoptivsohn Albrechts, Feldmarschall Erzherzog Friedrich, Gestalter des Schlossparks in Halbturn und Feldmarschall im 1. Weltkrieg, erbt die Herrschaft.
1921 Anschluß des Burgenlandes an Österreich
Aufteilung der Herrschaft Ungarisch Altenburg auf das österreiche und ungarische Staatsgebiet. Die bei Österreich verbleibenden Besitzungen werden von Schloss Halbturn aus verwaltet.
1936 - 1955
Der Sohn Friedrichs, Erzherzog Albrecht, tritt das Erbe an.
Nach dem 2. Weltkrieg muss er, um der kommunistischen Verfolgung zu entgehen, Ungarn verlassen und wandert nach Argentinien aus, wo er auch 1955 verstirbt.
1956 die Familie Baron Paul Waldbott-Bassenheim
Der Neffe Albrechts, Paul Waldbott-Bassenheim erbt den Besitz und lebt noch heute mit seiner Gemahlin Marietheres, geborene Reichsgräfin von Wickenburg, auf Schloss Halbturn. Schloss Halbturn gehört zu den größten Weingütern Österreichs und besitzt in Jois heute noch Weingärten, nennenswert ist vor allem der terrassenartig angelegte Weingarten im Ried Jungenberg, der zu den besten Rotweinlagen Österreichs zählt.
Quellenverzeichnis:
- Revesz Sandor; Zur Geschichte der Herrschaft Ungarisch-Altenburg mit besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen Entwicklung; Diplomarbeit 1991 Landesarchiv Eisenstadt.>
- Tobler Felix; Ein Bericht über den Stand der Herrschaft Ungarisch Altenburg aus dem Jahre 1746; Burgenländische Forschungen Sonderband XXV - Eisenstadt 2003
- Ernst August; Geschichte des Burgenlandes; Verlag R. Oldenburg München 1991 - 2. Auflage
Mosonmagyaróvár kam aus der 1939 stattgefundenen Vereinigung der zwei Stadtteile zustande. Der Name Moson ist wahrscheinlich vom Slowakischen abgeleitet, und bedeutet Burg im Sumpf. Die erste Erwähnung stammt aus dem Jahre 1046 als Musun, der deutsche Name (Wieselburg) deutet auf die, sich einst auf dem Gebiet befindliche mittelalterliche Burg hin. Der Ortsname Óvár hängt wahrscheinlich mit dem römischen Kriegslager Ad Flexum zusammen, welches sich auf dem Gebiet der heutigen Innenstadt und der Burg befand. Die erste Erwähnung des Namens Mosonmagyaróvár stammt aus dem Jahre 1263 als Ouwar, der deutsche Name Altenburg ist aus dem Jahr 1271 bekannt. Das Vorsetzwort Ungarisch (Ungarisch Altenburg) diente zur Differenzierung von Németóvár (Deutsch Altenburg), welches sich östlich von Wien befindet.
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