Welt der Sagen ...
Die Sage vom Hexenbründl
In den Dörfern Jois und Winden wird allgemein erzählt, im Hackels- oder Hexenberg, wie er auch sonst im Volksmunde genannt wird, sei ein goldener Hirsch vergraben, den man heben könnte. Auch wollen die Leute wissen, Zwerge behüten im Berge einen Schatz oder arbeiten in einem tiefen Brunnen. Es sei nicht gut, sie in ihrer Arbeit zu stören. Von den vier Quellen, die am Fuße des Hackelsberges entspringen, trägt eine den Namen Hexenbründl. Bei ihr ist es nicht geheuer; man soll rasch vorbeigehen und sich nicht aufhalten. Um Mitternacht werden dort Lichter gesehen. In Winden werden die Kinder damit geschreckt: "Wannst net folgst, kummst zum Hexenbründl!" Auch baden die Hexen in der Quelle, werden sie dabei überrascht, dann verwandeln sie sich in Gänse und fliegen davon. Zu gewissen Zeiten halten die Unholden um Mitternacht an dieser Stelle ihre Zusammenkünfte. Einmal bekam ein junger Bursche von einer Hexe beim Bründl einen roten Janker geschenkt, den er auch gleich anzog. Als der nächtliche Spuk verflogen war, konnte er sich nicht bewegen, sein ganzer Körper war in eine noch warme Pferdehaut fest eingehüllt.
Bei den Menschen in diesem Raum hat sich besonders eine Überlieferung aus der Vergangenheit bis in die heutigen Tage erhalten:
Als einmal ein Windener Geiger von einer Hochzeit in Jois in seinen Heimatort zurückkehrte, hielten ihn bei der Quelle mehrere Hexen auf, die gerade ein Fest feierten. Die Hexen bewirteten ihren Gast mit Bäckerei und bestem Wein. Er aß davon sehr viel und trank fleißig zu. Als man von dem nahen Kirchturm her zwölf schlagen hörte, sagen die Hexen, er könne gehen. Da brummte der Geiger und meinte "Jetzt werd' ich's halt kriegen von meinem Weib!" Sie würden ihm schon etwas einpacken, damit sein Weib nicht brumme, sagten die Hexen. Sie holten ein Säcklein herbei und füllten es mit der guten Bäckerei an. Als der Mann heimkam, schimpfte seine Frau mit ihm. Das Weib war neugierig und öffnete das Säcklein. Da waren lauter Rossknödel und Kuhfladen drinnen. Da erschrak der Mann sehr, denn jetzt wusste er, was er gegessen hatte. Seither trägt die Quelle den Namen "Hexenbründl".
Die Quellen am Fuße des Hackelsberg, so auch das Hexenbründl, dienten den ersten sesshaften Menschen, die ihre Siedlungen vor allem auf Hügeln und in unmittelbarer Nähe von Quellen anlegten, zur überlebensnotwendigen Wasserversorgung.
Auf Grund der Wichtigkeit solcher Quellen entstanden im Laufe der Zeit schaurige und unheimliche Geschichten, um Fremde von diesen Plätzen fern zu halten.
Im Mittelalter wurden die noch bekannten Erzählungen mit Hexen- und Koboldgestalten ausgeschmückt, wodurch sich die Sage vom Hexenbründl, im Gegensatz zu vielen anderen Überlieferungen, bis in unsere Tage erhalten hat.
Die Sage vom Teufelsjoch
Oberhalb (nördlich) Jois trägt das Leithagebirge einen uralten großen Friedhof (Gräberfeld) aus der frühen Bronzezeit (ca. 2.000 v.Chr.) mit der Bezeichnung "Teufelsjoch". Vor vielen Jahren sollen an dieser Stelle viele Menschen, darunter auch drei Ritter, bei einer blutigen Schlacht ihr Leben verloren haben. Des grausamen Gemetzels wegen nannte man den Ort "Teufelsjoch". In der Nähe des Platzes, wo die drei Ritter bestattet sind, wurde die Annakapelle, besser
bekannt unter dem Namen Spittelwaldkapelle, erbaut. Mitternächtlichen Lärm soll man heute noch dort hören.
Die "Herren" von Jois und die "Armen" Neusiedler
Die Sage steht im Zusammenhang mit der Erwerbung der sogenannten "Neusiedler Wiese". Diese Wiese ist das am Ostufer des Neusiedler Sees sich hinziehende Weidegebiet, auf dem seinerzeit die Ortschaft Zitzmannsdorf lag. Heute erinnert noch die Florianikapelle zwischen Weiden am See und Podersdorf an den damaligen Standort des Ortes.
Die "Zitzmannsdorfer Wiese", wie man sie auch heute noch nennt, grenzt an keiner Stelle unmittelbar an das Neusiedler Gemeindegebiet. Es stellt sich nun die Frage, wie dieses Gebiet in den Besitz der Neusiedler gekommen ist:
Die Ortschaft Zitzmannsdorf wurde in den kriegerischen Auseinandersetzungen des 15. und 16. Jhdt., vor allem bei der ersten Türkenbelagerung Wiens im Jahre 1529, wie viele andere Dörfer des Heidebodens, zerstört und danach nicht mehr besiedelt. Da der genannte Landstrich der Herrschaft Ungarisch-Altenburg unterstand, konnte nur diese über den Verbleib dieser Wiese entscheiden. Da die angrenzenden Ortschaften nicht zu dieser Herrschaft gehörten, kam eigentlich nur Neusiedl, das am nächsten lag, in Betracht, das Gemeindegebiet Zitzmannsdorf zugesprochen zu bekommen. Denn die anderen der Herrschaft Ungarisch- Altenburg gehörigen Dörfer lagen bedeutend weiter entfernt. Es wäre als nächstes Dorf allenfalls noch Jois in Frage gekommen.
Über die Verleihung der Zitzmannsdorfer Wiese an die Neusiedler erzählt man sich folgende interessante Geschichte:
Eine alte edle Witwe, vermutlich Königin Maria von Ungarn, wollte die obgenannte Wiese entweder den Joisern oder aber den Neusiedlern schenken. Sie lud also die Vertreter beider Gemeinden vor. Als die Joiser Vertreter erschienen, fragte die Witwe, wer sie seien. Hierauf antworteten die Joiser: " Wir sind die Herren von Jois!" Hierauf fragte die edle Frau: "Wer sind die, die draußen stehen?". Die Joiser erwiderten: "Das sind die armen Neusiedler". Da meinte die Gönnerin: "Da müssen wir die Wiese den armen Neusiedlern geben!".
Somit war für alle Zukunft das Eigentumsrecht der Zitzmannsdorfer Wiese entschieden. Die Herren von Jois aber mussten mit leeren Händen abziehen.
Obige Sage wird fälschlicherweise vielfach auch mit dem Erwerb des Neusiedler Waldes durch die Neusiedler in Zusammenhang gebracht.
Der Wilde Jäger und der Wassermann
Der wilde Jäger kam einst zur Winterszeit durch den Joiser Wald. Als ihn ein schweres Unwetter ereilte, spornte er sein Pferd an um über den Wildbach zu kommen. Er wälzte vorher einen großen Felsblock in die Fluten, damit er die Strecke in zwei Sätzen bewältigen könne. Das Pferd stürzte aber und der Reiter und sein Pferd versanken im Wasser. Der Wassermann soll sie hinuntergezogen haben. Er schleuderte einen Blumenstrauß auf den Felsblock, der versteinert noch heute zu sehen ist. Der Wassermann fand nur drei Hufe des Schimmels, den vierten wird er bis zum jüngsten Tag suchen müssen.
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